Klimaneutralität braucht Kreislaufwirtschaft

Recycling, Second-Life und Re-Use sind Hebel für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft. Die ist ein essenziell wichtiger Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität. So reduziert cleveres Recycling systema­tisch Abfall, spart Rohstoffe und vermindert Treibhausgasemissio­nen. Dieser Beitrag zum Erreichen der EU-Klimaziele wird aber wachsen müssen.

Digitalisierung ist der Zauberstab - Kommunikation die Disziplin

Steigen wird die Recyclingquote, wenn es besser gelingt, durch intelligente Recycling-Technik die wertvollen Rohstoffe sortenrein zu trennen und in hoher Reinheit und Qualität erneut bereitzustellen. Information, Vernetzung und Kommunikation zwischen Akteuren sind dabei die Zauberwörter. Und Digitalisierung ist der Zauberstab. So liefert ein digitaler Produktpass oder Zwilling einerseits alle relevanten Fertigungsdaten eines Produkts und lässt es konsequent zurückverfolgen. Andererseits können daraus nach der Nutzung sämtliche Informationen der verwendeten Rohstoffe ausgelesen werden. So wird sortenreines Recycling möglich gemacht. Darüber hinaus wird es möglich, Produkt- und Leistungsdaten, wie Material, Zustand, und Historie, auszulesen und auf dieser Basis die Gesamt-Ökobilanz über den Lebenszyklus zu ermitteln.

Mehrwert und Gesetze werden das Thema vorantreiben

So einfach das klingt, es muss umgesetzt und finanziert werden. „Hersteller kaufen Materialien, Komponenten oder Bauteile oft nach ihrer funktionalen Performanz und interessieren sich weniger für deren konkrete Materialzusammensetzung. Zudem muss das Interesse an Informationen für deren Wiederverwertbarkeit erst geweckt werden“, betont Andrea Gassmann. „Der Informationsfluss zwischen Produkthersteller und Recycler wird sich verbessern, wenn konkrete Mehrwerte erkennbar werden“, so die Abteilungsleiterin Digitalisierung der Ressourcen bei der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS. Wladislaw Benner, wissen­schaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer IWKS legt den Finger in die Wunde: „Für einen Austausch der gegenseitigen Interessen fehlt es häufig an substanzieller Kommunikation beider Gruppen miteinander.“

Neben aktiver Kommunikation auf Unternehmens- oder Verbands­ebene kann das Thema Lieferengpässe Treiber für den Austausch zwischen Akteuren werden. Wenn neue Rohstoffe fehlen, fragen Hersteller nach wiederaufbereiteten Stoffen. So rücken die Themen Sortenreinheit und Qualität der Rezyklate in den Vordergrund. Wo ein Mehrwert nicht genügt, werden Gesetzgeber Treiber für digitale Produktinformationen sein müssen. Andrea Gassmann erwähnt als Beispiel den Produktpass für Batterien, der in fünf Jahren Pflicht sein wird. „Und auch Benutzer treiben das Thema voran, wenn sie nachfragen, was genau im Produkt verbaut wurde, woher es stammt, und ob es recycelbar ist“, ergänzt Benner. Und schließlich muss die Gesamtbilanz positiv sein, denn „auch die Digitalisierung hat einen ökologischen Fußabdruck“, so Gassmann abschließend.

Fazit

Für eine Steigerung der Recyclingquote müssen Akteure sich besser vernetzen. Informationsfluss und -austausch werden dann steigen. Der Trend geht zum digitalen Produktpass, weil er umfassende Informationen liefert, die sortenreine und qualitativ hochwertige Rezyklate ermöglichen. Wenn dadurch Mehrwert generiert werden kann, wird das Thema schneller vorangetrieben. Gelingt das nicht, werden Gesetze nötig.

Die Solids- und Recycling-Technik-Trendberichte werden von Fachjournalisten mit tiefen Branchenkenntnissen erstellt und stehen der Presse zum freien Abdruck zur Verfügung.

Autor: Jürgen Fürst, Fachredakteur, Stuttgart

Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft werden Thema auf der SOLIDS Dortmund sein, die vom 16. bis 17. Februar 2022 in der Messe Dortmund stattfindet.
Mehr Informationen unter www.solids-dortmund.de und www.recycling-technik.com.

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